Filmpremiere:

 Mittwoch, 21. November 2007
um 19:30 Uhr
im Kleinen Saal der
Hochschule für Musik und Darstellenden Kunst Frankfurt am Main

 Eschersheimer Landstraße 29 – 39

60322 Frankfurt am Main

Eintritt 6 EUR, erm. 4 EUR

DAS FILMPROJEKT

Georges Aperghis’ Komposition „Le corps à corps“ für einen sprechenden Schlagzeuger und seine Zarb-Trommel bildete den Ausgangspunkt für unser interdisziplinäres Projekt. Dabei entstanden unterschiedliche Kurzfilme, in denen nicht nur mit Klang, sondern auch mit Körper und Raum experimentiert wurde. Nach einer narrativen Duo-Performance in einem abstrakten Theaterraum regte nun der konkrete Raum zu abstrakten Variationen an.

STARTING POINT ist ein direktes Zitat aus der Duo-Performance vom Juli 2007, das in einen anderen Raum gesetzt wurde und somit als Einstieg in die weiteren, viel abstrakteren Stücke dient.

In FORM definieren auf den Boden geklebte Dreiecke klare Begrenzungen in den ansonsten unbegrenzten Möglichkeiten des Raumes. Die Dreiecksform entstammt der musikalischen Architektur der Vorlage. Im Film nutzt der Musiker diesen Ansatz, um neue Musik zu komponieren und wieder zu zerlegen. Die Formen und Fragmente dienen ihm zum Bauen und Umbauen seines Stücks. Der Tanz improvisiert indessen und bedenkt dabei die räumlichen Grenzen und was sich innerhalb der festgelegten Form befindet.

HEADPHONES ist ein Audio-Erlebnis. Der dem Stück zugrundeliegende Ton wurde von einer sich bewegenden Perspektive aufgenommen, nämlich durch Mikrofone, die die Darstellerin während einer Performance im Ohr trug. So verändert sich nicht nur der Ort der Stimme des Performers und der der Trommel ständig, auch der Atem der Performerin gestaltet eine eindringliche Audio-Erfahrung. In HEADPHONES hört der Performer diese Tonaufnahme und entwickelt Bewegungsimpulse, die der Richtung der Töne im Raum folgen. Die Performerin nimmt diese Impulse auf, um sie weiterzuführen und zu verstärken.

Der Kern von CHAIRS ist die ebenbürtige Position von Tänzerin und Musiker. Das Stück nimmt eine banale Szene zum Ausgangspunkt: zwei Menschen sitzen sich in Stühlen gegenüber. Kommunikation findet durch Klangproduktion, durch konsequente Bewegung statt. Die Kamera lenkt den Blick in dieser Szene auf minimale Einzelheiten.

Die Motivation für die improvisierte Performance TWO war, eine Klang-Landschaft zu erschaffen. Diese spontane Erforschung ist das Ergebnis der Zusammenarbeit der beiden Performer während des letzten Jahres. Im Gegensatz zu den anderen Stücken ist die Kamera hier eine bewegliche Beobachterin.

  Duo Performance in Film

DER KOMPONIST

Der griechischstämmige Komponist Georges Aperghis (*1945) ist heute einer der bedeutendsten Vertreter des Musiktheaters in Frankreich. Er ist ein Komponist, der hauptsächlich im Bereich des experimentellen Musiktheaters arbeitet, aber auch eine große Anzahl von nichtprogrammatischer Kammermusik komponiert hat. Seine Arbeiten sind oft extravagant und spielerisch.

Zahlreiche Arbeiten entstanden seit 1976 für die von ihm gegründete Theatergruppe Atelier Théâtre et Musique (ATEM) in Bagnolet (ab 1991 am Théâtre des Amandiers-Nanterrre beheimatet). Bis zur Auflösung der Gruppe wurden mehr als zwanzig Stücke aufgeführt, darunter  auch Le corps à corps und Enumérations (1988).

  

DAS STÜCK

1978 schrieb Aperghis Le corps à corps für einen Schlagzeuger und seine Zarb, zur gleichen Zeit etwa wie seine berühmten Récitations für eine weibliche Solostimme. Es war sein erstes Werk für einen sprechenden Instrumentalisten.

Die Zarb ist eine Kelchtrommel, die ihren Ursprung in Persien  hat und sich durch besonders reiche melodische Fähigkeiten mit Effekten und Klangfarben auszeichnet.

Über seine Partitur Le corps à corps  schreibt Aperghis, der Schlagzeuger sei gleichzeitig der Erzähler einer epischen Geschichte und die zentrale Figur des Stückes: „In dem einzigartigen Kampf der Dichtung spiegelt sich der des Musikers mit seinem Instrument und seinem eigenen Atem.“  Dieser Kampf manifestiert sich auf unterschiedliche Weise. Musikalisch gesehen, spricht der Schlagzeuger zu, mit und gegen die Trommel. Bereits die Ouvertüre zeigt eine klare Trennung zwischen der Stimme des Schlagzeugers und seinem Instrument.

Den Konflikt betreffend, bezieht sich Le corps à corps  u.a. auch auf die Ilias: Der Komponist übernimmt einige Sätze des Epos wortwörtlich und ansonsten das zentrale Motiv, das heißt die Geschichte vom Entstehen, den Folgen und dem Vergehen des Zorns Achilles’. Das zehnminütige Le corps à corps ist ein atemloser Schlagabtausch zwischen dem Musiker und seinem Instrument. In dem Konflikt zwischen der Trommel und dem Performer wechseln sich Lautmalereien, Worte, starkes Atmen und Zungengeräusche ab. Der Musiker, dessen sprachliche Lautmalereien den Klang einer Trommel imitieren, spricht zu sich selbst, zur Trommel oder als Erzähler zu anderen. Der Dialog mit perkussiven Vokaläußerungen wird immer wieder von der Erzählung eines Motorradrennens und –unfalls, eines Kampfes trojanischer Krieger und sportlicher Höchstleistungen unterbrochen.

 

SOLO- UND DUO-PERFORMANCE

Vor der Choreographie der Solo-Performance gab es eine Lernphase, in der mit dem Vokabular und den Hilfsmitteln der Tanzimprovisation, dem Aktionstheater und Butoh gearbeitet wurde. Dabei hatte der Musiker die Möglichkeit, seinen Körper als Instrument und als Sprache neu zu entdecken.

Eine Motivation für die Choreographie war die Beobachtung, dass Musiker die Tendenz haben, sich hinter ihrem Instrument und Notenständer zu verstecken. Die Solo-Performance reflektiert dieses Verstecken und zeigt den Musiker als Performer, der Musik produziert. Töne entstehen dabei aus Bewegungen im Raum. 

Im Juli 2007 entstand dann für den Tanzmarathon der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main ein Musik-Tanz-Stück, bei dem die Interaktion der Tänzerin und des Schlagzeugers im Vordergrund stand. Dabei gab die Musik nicht nur dem Tanz Impulse, sondern auch umgekehrt.

Nach einem Schlagzeug-Solo und einem Tanz-/Musik-Stück bildet der Film nun den letzten Teil eines intensiven, interdisziplinären Forschungsprozesses.

Das Filmprojekt wurde vom Projektfonds Tanz der Künste der HfMDK ermöglicht.

 

Mitwirkende

concept & performance Paula Rosolen, Michael Gambacurta
dramatic advisor Mareike Uhl
translation Mareike Uhl, Michael Gambacurta
camera & editor Lea Hartlaub
camera assistant & best girl Victoria Kruse
sound Marcel Welke, Christoph Heyd, Michael Nitschke
sound advisor Christoph Schulte
manager Karin Berrío
producer Michael Gambacurta
artistic advisor Prof. Dieter Heitkamp
transport Sina Q.T. Bauer
runners Jacob Bussmann, Jannis Läpple, Rochus W. Paul, Irina Ximena Perez Berrio, Jazz Peters, Lucie Salou, Vicky Schmidt, Maren Walter, Franziska Wild
coaching Dr. Julia Cloot, Julian Klein, Silke Renners, Prof. Rainer Römer, Prof. Gerd-Theo Umberg

 

KONTAKT
Paula Rosolen – paula_rosolen@yahoo.com.ar
Michael Gambacurta – michael@gambacurta.ca
Karin Berrío - karin@berrio.de


 

Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main

Eschersheimer Landstr. 29-39

D-60322 Frankfurt am Main

http://www.hfmdk-frankfurt.de/

Anreise | How to Get There

Two

2007 © M. Gambacurta